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Boxing Day - die Box-Kolumne von sportal.de
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Glen Johnson - der neue im Super-Six?

Die Klitschkos, Abraham, Mayweather und James "Buster" Douglas. In der Boxing Day-Kolumne von sportal.de bleibt kein Prügelknabe ungeschoren. Wir beantworten Fragen, stellen Fragen und fragten uns, wer waren die größten One Hit Wonder des Boxens?

Über Pacman, Abraham, Huck und Solis

Ein User fragte in der letzten Woche, ob es Neuigkeiten zum zur Zeit wohl größtmöglichen Kampf in der Box-Welt gibt: Manny Pacquiao vs. Floyd Mayweather jr. Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd: Nein, gibt es nicht. Die Fronten sind verhärtet, Top Rank (Pacquiaos Promoter) und Golden Boy (Mayweathers Co-Promoter) stehen gerade mal wieder vor Gericht, "Pac-Man" wird am 13. November im Stadion der Dallas Cowboys gegen Antonio Margarito boxen, und Mayweather machte zuletzt nur Schlagzeilen, indem er Manny Pacquiao in einem Video rassistisch beleidigte und dann verhaftet wurde, weil er seine Freundin geschlagen haben soll. Deswegen gehen wir lieber direkt zu besseren Nachrichten...

In der letzten Woche sah die Zukunft im Super-Six des Supermittelgewichts noch düster aus, nun haben Showtime und Sauerland die neuen Termine für die dritte Runde des Turniers bekannt gegeben. Arthur Abraham wird am 27. November in Helsinki gegen Carl Froch antreten. Ebenfalls am 27.11. werden WBA-Weltmeister Andre Ward und Andre Dirrell in den Ring steigen. Dabei geht es, neben dem Einzug ins Halbfinale, zudem um den vakanten Titel der WBC. Für das fünfte Rad am Wagen, Allan Green, soll alsbald eine Lösung gefunden werden. Er soll nicht mehr, wie ursprünglich kolportiert, aus dem Turnier gestrichen und dafür abgefunden werden, sondern gegen einen neuen Mann in den Ring steigen.

Laut einer Meldung von ESPN könnte es sich dabei um Glen Johnson (50-14-2) handeln. Hat der Neue überhaupt noch eine Chance, wenn er mit null Punkten startet? Ja! Mit einem K.o.-Sieg, der drei Punkte im Turnier bringt, hätte Johnson (oder auch Green) gute Chancen auf das Halbfinale. Sollte nach der dritten Turnier-Runde Punktegleichstand zwischen zwei oder mehreren Boxern bestehen, werden im Zweifel die Scorecards aufgerechnet - spätestens dann sind natürlich diejenigen im Nachteil, die weniger Kämpfe bestritten haben, weil sie erst später eingestiegen sind.

Derweil gibt es Bewegung im Schwergewicht. Der kubanische Olympia-Sieger Odlanier Solis (16-0-0), der bei Experten als einer von wenigen aussichtsreichen Kandidaten gilt, den Klitschkos einen spannenden Kampf zu liefern und vielleicht sogar gefährlich werden zu können, wird nicht mehr vom amerikanischen Promoter Top Rank co-promotet. Ahmet Öner vom Hamburger Arena-Boxstall, bei dem Solis seit seinem Profi-Debüt unter Vertrag steht, beendete die Zusammenarbeit mit Top Rank und will nun mit Promoter-Legende Don King den Angriff auf die Klitschkos fortsetzen. "Er geht mit unserer Erlaubnis. Es war ein Deal im gegenseitigen Einvernehmen. Solis ist bei Don King im Schwergewicht besser aufgehoben. Top Rank ist in dieser Gewichtsklasse weniger aktiv. Sie zahlen uns die Auslagen zurück und starten die Arbeit mit Don King", so Bob Arum von Top Rank.

Kalle Sauerland äußerte sich verwundert. "Ich fand den Schachzug von Herrn King mit Odlanier Solis interessant. Er blockt dadurch einen Gegner für die Klitschkos. Mit Top Rank hätten sie vermutlich ein Deal hin gekriegt, aber jetzt mit Don King, da brauchen die nicht mal anzurufen." Wir haben bei Arena nachgehakt: "Das Gute ist, dass Solis nach seinem nächsten Kampf gegen Ray Austin Pflichtherausforderer von Vitali sein wird", kontert Arena-Boss Öner. "Ob das Klitschko-Management es will oder nicht, sie werden mit ihren beiden liebsten Konkurrenten - Öner und King - über die WM verhandeln müssen. Wenn ich höre, dass jetzt über Tua oder Mormeck als Gegner für Wladimir diskutiert wird, wird mir schlecht. Zum Glück hat dieses Elend im nächsten Jahr ein Ende."

Eine Gewichtsklasse unter den schweren Jungs steht das Turnier der Cruisergewichtler - nach Vorbild des Super-Six - in den Startlöchern: Laut Medienberichten sollen im Dezember IBF-Champion Steve Cunningham und Denis Lebedev aufeinander treffen; WBO-Weltmeister Marco Huck muss gegen Steve Herelius ran; im Januar 2011 verteidigt WBC Weltmeister Krysztof Wlodarczyk seinen Titel gegen Yoan Pablo Hernandez. Wir haben bei Kalle Sauerland nachgefragt, wie weit die Planungen gediehen sind.

Drei Fragen an...
Kalle Sauerland (Sauerland Event)

sportal.de: Zuletzt wurde über die ersten Paarungen im Super-Six des Cruisergewichts spekuliert. Stimmen die Paarungen, die jetzt publik wurden, und steht somit auch das Teilnehmerfeld?
Kalle Sauerland: Zumindest, was die derzeitige Planung angeht, stimmt das schon, allerdings können sich da auch durchaus noch Veränderungen ergeben. Ich vermute, dass die polnische Seite das schon so weiter gegeben hat, ohne dass es unter Dach und Fach ist. Realistisch ist eine endgültige Einigung über Teilnehmer und Termine erst Ende nächster Woche.

sportal.de: Der zuletzt mit einem sensationellen K.o. gegen Enzo Maccarinelli begeisternde Alexander Frenkel ist demnach nicht dabei, warum nicht?


Kalle Sauerland: Wir haben beim Kampf gegen Maccarinelli gesehen, was Alexander drauf hat, aber es ist erstmal nicht geplant, dass er am Super-Six teilnimmt. Wir wollen, dass er zunächst mal die EM verteidigt und sehen dann, wie es mit ihm weiter geht. Er hat ja gegen Maccarinelli seinen ersten großen Kampf bestritten und es wäre wohl jetzt noch zu früh für ihn. Aber ich denke, Alexander wäre der perfekte Kandidat, um 2012 gegen den Gewinner des Super Six im Cruisergewicht anzutreten.

sportal.de: Die Kritik am bestehenden Super-Six im Super-Mittelgewicht galt der Länge des Turniers und der Terminausfälle. Wird das Super-Six im Cruisergewicht straffer organisiert sein?


Kalle Sauerland: Nein, der Modus wird so beibehalten, jedenfalls nach derzeitiger Planung. Und dann werden wir hoffentlich weniger Pech mit Terminausfällen und Verletzungen haben. Man lernt ja auch aus dem bisherigen Turnierverlauf im Supermittelgewicht und wir werden mehr Kontrolle ausüben, so dass wir das Turnier schneller durchkriegen. Wir sind immer noch sehr zufrieden mit unserer "Erfindung" und es ist doch so, man kann solche Topkämpfe nicht beliebig dicht hintereinander veranstalten. Da bei richtig guten Kämpfen den Boxern auch gesundheitlich viel abverlangt wird.

Die Top-Ten der Woche: One Hit Wonder des Boxens

1. James "Buster" Douglas (Schwergewicht, 38-6-1)
Dieser Name wird im Boxen wohl immer als Synonym für die große Überraschung stehen - und als Beleg dafür, dass eben doch alles möglich ist, wenn sich zwei wild entschlossene Männer im Ring gegenüber stehen. Der Tag, an dem James "Buster" Douglas sich unsterblich machte und die Boxwelt auf den Kopf stellte, war der 11. Februar 1990, Douglas' Gegner im Tokyo Dome in der japanischen Hauptstadt kein Geringerer als ein gewisser "Iron" Mike Tyson auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Insgesamt hatte der damals gerade 23-jährige unumstrittene Champion 39 Siege in 39 Kämpfen vorzuweisen, 35 davon durch K.o. Kurzum: Tyson galt als unbesiegbare Kampf-Maschine.

Douglas hingegen war nur Experten ein Begriff. Gegen Tony Tucker hatte er im Mai 1987 schon einmal eine WM-Chance bekommen, aber durch TKO in der zehnten Runde verloren. Der Kampfausgang galt vorher als so klar, in Tokio standen die Wetten sogar mit 42:1 gegen ihn. Doch Douglas strafte alle Kritiker Lügen - und machte ein paar Verrückte, die auf ihn gewettet hatten, zu reichen Leuten - mit einer Performance, die bei den Kommentatoren von HBO als "übelste Tracht Prügel in Tysons Karriere" eingestuft wurde. Von Beginn an dominierte der krasse Außenseiter das Duell mit seinem schnellen Jab und präzisen Haken.

Weiterführende Links:

Das beherzte Auftreten des Herausforderers überraschte nicht nur Fans und Experten, sondern auch Tysons Ecke, die nicht mal Kühleisen oder Eisbeutel dabei hatte und deswegen Gummihandschuhe mit Eis füllte, um gegen die starken Schwellungen in "Iron Mikes" Gesicht zu kämpfen. Trotzdem schickte Tyson seinen Gegner in der achten Runde mit einem krachenden Aufwärtshaken hart zu Boden. Douglas stand zwar wieder auf - viele Beobachter inklusive Promoter-Legende Don King meinten aber, der Ringrichter hätte zu langsam gezählt und Douglas an dieser Stelle vor dem K.o. gerettet.

Wie dem auch sei, der Kampf ging weiter und Douglas schrieb Geschichte, indem er Tyson in der zehnten Runde mit einem harten Aufwärtshaken gefolgt von einer schönen Kombination zum ersten Mal in dessen Karriere zu Boden schickte. Der Champion krabbelte auf der Suche nach seinem Mundschutz durch den Ring, der Mythos Tyson war gebrochen.

Dasselbe galt acht Monate später aber auch schon wieder für den Mythos "Buster" Douglas. Evander Holyfield knockte den Überraschungsweltmeister in der dritten Runde aus und nahm ihm seine hart erkämpften drei WM-Gürtel sofort wieder ab. Danach machte Douglas lange Pause, kam 1996 noch einmal zurück, um ein paar Siege einzufahren und nach einer K.o.-Niederlage gegen Lou Savarese sowie zwei weiteren Siegen seine Karriere endgültig zu beenden. Wenn es im Boxen jemals ein "One Hit Wonder" gab, dann war es James "Buster" Douglas.

2. Ross Puritty (Schwergewicht, 31-20-3)
Kurz hinter Douglas und unangefochten auf Rang zwei der "One Hit Wonder" steht sein amerikanischer Landsmann Ross Puritty. "Ross the Boss" war eigentlich von Beginn seiner Karriere an ein klassischer "journey man", ein Aufbaugegner, mit dem gute Boxer ihren Kampfrekord aufpolieren. Schon in seinem zweiten Profi-Kampf im Juni 1989 kassierte er die erste Niederlage, auch in den folgenden Jahren wechselten sich Siege und Niederlagen fröhlich ab. Ein Unentschieden gegen Tommy Morrison im Juli 1994, bei dem Puritty den Ex-Weltmeister zwei Mal zu Boden schickte, ist noch das beeindruckendste Ergebnis in seinem Kampfrekord - bis zum 5. Dezember 1998. An diesem Tag lud ein gewisser Wladimir Klitschko - damals in 24 Kämpfen ungeschlagen und nur ein Mal über die Distanz gegangen - den amerikanischen Aufbaugegner zum WBC International Titelkampf nach Kiew ein.

Auf der Großveranstaltung im Sportpalast stieg im Hauptkampf auch Wladimirs großer Bruder Vitali in den Ring, alles war geplant und vorbereitet für ein wunderbares Klitschko-Fest - stattdessen erlebte der jüngere der beiden Brüder sein blaues Wunder. Wladimir dominierte den Kampf in den ersten Runden, es schien nur eine Frage der Zeit, wann den Amerikaner das Schicksal der vorigen Klitschko-"Opfer" ereilen würde. Doch Puritty blieb nicht nur stehen, sondern schlug ab der zehnten Runde kräftig zurück. Wladimir - vom hohen Anfangstempo komplett ausgepumpt - hatte nichts mehr entgegenzusetzen und wurde in der elften Runde von seinem damaligen Trainer Fritz Sdunek aus dem Kampf genommen. Puritty blieb nach seinem überraschenden Sieg der "journey man", der er immer gewesen war und wurde nach der "Rache des Bruders" (einer TKO-Niederlage gegen Vitali in der elften Runde) auch noch von "Größen" wie Timo Hoffmann und Alexander Dimitrenko geschlagen.

3. Corrie Sanders (Schwergewicht, 42-4-0)
Und noch ein Klitschko-Bezwinger findet den Weg in unsere Top 10 - auch wenn die Vorzeichen bei Corrie Sanders andere waren als bei Puritty. Der Südafrikaner war zwar nur wenigen Experten ein Begriff, als er am 8. März 2003 zur freiwilligen Titelverteidigung des damaligen WBO-Weltmeisters Wladimir Klitschko nach Hannover geladen wurde. Doch diese wenigen Experten wussten um die enorme Schlagkraft des Mannes, den sie in seiner Heimat nur "The Sniper" (den Scharfschützen) nannten. Sanders' Rekord war mit 38 Siegen bei zwei Niederlagen (unter anderem gegen Hasim Rahman, von dem hier auch noch die Rede sein wird) solide, seine K.o.-Quote mit 31 vorzeitigen Erfolgen aber durchaus beeindruckend.

Und tatsächlich zeigte Sanders von Beginn an, dass er nicht zum Verlieren nach Deutschland gekommen war. Aggressiv stürmte er auf Wladimir Klitschko los und schickte diesen schon in der ersten Runde zwei Mal zu Boden. Der Weltmeister rettete sich zwar noch in die Pause, wurde aber gleich zu Beginn der zweiten Runde noch zwei Mal auf die Matte geschickt, der Kampf wurde abgebrochen (und vom amerikanischen Ring Magazine zum "Upset of the Year" gewählt), Sanders war neuer Weltmeister.

Allzu lange durfte er sich aber nicht an seinem Sieg erfreuen. Die "Rache des Bruders" ließ in diesem Fall nur ein Jahr auf sich warten, Vitali Klitschko zeigte dem Südafrikaner deutlich seine Grenzen auf, besiegte ihn durch TKO in der achten Runde. Danach konnte Sanders zwar noch drei Kämpfe gewinnen, beendete 2008 aber schließlich nach einer weiteren Niederlage gegen seinen international unbekannten Landsmann Osbourne Machimana seine Karriere.

4. Brian Minto (Schwergewicht, 34-4-0)
Der Name Brian Minto dürfte vielen deutschen Box-Fans aus zwei Gründen bekannt sein: Zum einen unterlag Minto im Mai diesen Jahres Marco Huck im Kampf um die WBO-WM im Cruisergewicht, zum anderen - und das ist der Grund, dass er den Weg in dieses Rating gefunden hat - war er der "Spielverderber" bei Axel Schulz' Comeback-Versuch im November 2006. Schulz war in den 90er Jahren neben Henry Maske maßgeblich für den Aufschwung des Boxsports in Deutschland verantwortlich.

Dem sympathischen Schwergewichtler aus Frankfurt/Oder blieb der große Wurf in seinen WM-Kämpfen gegen George Foreman, Francois Botha und Michael Moorer zwar verwehrt (weswegen er selbst in diesem Rating auch nicht auftaucht - Axel war wohl eher ein deutsches "No-Hit-Wonder"). Trotzdem überflügelte er den sportlich erfolgreicheren Maske bei den Sympathie-Werten und erzielte mit seinem Kampf gegen Botha mit 17,96 Millionen Zuschauern die bis heute höchste TV-Einschaltquote für Box-Übertragungen.

Eigentlich hatte Schulz im September 1999 mit einer deutlichen TKO-Niederlage gegen Wladimir Klitschko schon mit dem Boxen abgeschlossen. Mehr als sieben Jahre später - im November 2006 - stieg der Mann mit der (Fackelmann-)Mütze dann doch noch mal in den Ring. Ein Schritt, den er im Nachhinein vielleicht doch hätte vermeiden sollen und können. Schulz war chancenlos, musste in der vierten Runde einen Niederschlag hinnehmen und wendete sich in der sechsten Runde schließlich zum Zeichen der Aufgabe von seinem Gegner ab. Mintos Sieg war zwar keine Riesen-Sensation, aber der größte und einzig bedeutende Erfolg für "The Beast", der danach noch gegen Luan Krasniqi sowie zuletzt gegen Chris Arreola und eben Huck verlor. Deswegen hat er sich seinen Platz in unserer One Hit Wonder Hall of Fame verdient.

5. Rustico Torrecampo (Halbfliegengewicht, 14-8-5)
Von Axel Schulz bis zu Manny Pacquiao ist der Weg wirklich weit... Aber auch den derzeit vielleicht besten Boxer über die Gewichtsklassen hinaus - dem Pound-for-Pound-Champion Manny Pacquiao - hat es mal erwischt. Zu Beginn seiner Karriere, der Pacman hatte gerade einmal elf Kämpfe bestritten, musste er gegen Rustico Torrecampo ran. Pacquiao war beim offiziellen Wiegen ein Pfund zu schwer und musste als Strafe schwerere Handschuhe im Kampf benutzen. Er verlor durch K.o. in der dritten Runde. Torrecampo bestritt danach noch sieben Kämpfe, von denen er nur zwei gewinnen konnte, ehe er seine Karriere beendete.

6. Gipsy Daniels (Schwergewicht, 95-43-13)
Und auch der deutsche Jahrhundert-Sportler Max Schmeling hatte seinen Torrecampo... In der Frankfurter Festhalle erlitt Schmeling im Februar 1928 sensationell seine erste K.o.-Niederlage schon in der ersten Runde gegen den Waliser Gipsy Daniels. Drei Monate zuvor hatte "Maxe" schon einmal in Berlin gegen William "Gipsy" Daniels im Ring gestanden und über zehn Runden nach Punkten gewonnen. Den Rückkampf gewann Daniels dann völlig überraschend. Danach verlor der Waliser gegen so ziemlich jeden halbwegs starken Gegner, während Schmeling zu Deutschlands erstem und bisher einzigem Schwergewichts-Weltmeister wurde.

7. Michael Bentt (Schwergewicht, 11-2-0)
Als US-amerikanischer Schwergewichtsmeister startete Bentt hoffnungsvoll in seine Profikarriere. Als Trainer hatte er niemand Geringeren als Emanuel Steward (heute Trainer von Wladimir Klitschko) in seiner Ecke. Gleich in seinem ersten Kampf gegen Jerry Jones ging er dann allerdings in der ersten Runde k.o. Später sagte er, dass weder er noch Steward vor dem Kampf wussten, dass Jones ein Rechtsausleger ist. Bentt fiel nach den Kampf in Depressionen und stieg erst 22 Monate später wieder in den Ring - mit Eddie Mustafa Muhammad als neuem Coach. Nachdem er sich gegen zehn Aufbaugegner wieder empor geboxt hatte, folgte dann am 29. Oktober 1993 die Sensation.

Bentt konnte den WBO-Weltmeister Tommy Morrison völlig überraschend nach drei Niederschlägen in der ersten Runde durch TKO besiegen. Das Glück war allerdings nicht von Dauer. Bei seiner ersten Titelverteidigung im März 1994 musste er seinen Titel schon wieder abgeben. Er traf auf den ungeschlagenen Briten Herbie Hide. Bentt gewann keine Runde und ging schließlich spektakulär in der siebten Runde k.o. Er musste ins Krankenhaus gebracht werden, lag vier Tage im Koma. Nach dieser desaströsen Niederlage beendete er seine Karriere. Er betätigte sich danach unter anderem als Schauspieler und spielte Sonny Liston im Ali-Film mit Will Smith. Ob er auch als Mime zu den One-Hit-Wonder gezählt werden muss, kann hier abschließend nicht beurteilt werden.

8. Randy Turpin (Mittelgewicht, 66-8-1)
In den Vierziger und Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts war Randy Turpin in Europas Mittelgewicht ein Begriff. Weltweit kannte man seinen Namen erst nach seinem spektakulären Sieg gegen Sugar Ray Robinson im Jahre 1951. Robinson machte damals eine Reise durch Europa. Im Gepäck hatte er neben seiner Familie, seinem Trainerteam sowie einigen Sparring-Partnern, auch noch seinen eigenen Frisör, einen Vocal-Coach und natürlich sein Markenzeichen: einen pinken Cadillac.

Höhepunkt der Reise sollte der WM-Fight gegen Randy Turpin in der Earls Court Empress Hall von London werden. Der Engländer schlug Sugar sensationell nach Punkten, wurde im Rückkampf zwei Monate später vor 60.000 Zuschauern im alten Yankee-Stadion aber wiederum entthront. Für Turpin war es das Ende einer kurzen Ära als Weltmeister, da er bei seiner zweiten Chance gegen Bobo Olsen ebenfalls verlor. Danach boxte er nur noch in Europa, wurde aber immerhin noch Europameister im Mittelgewicht.

9. Hasim Rahman (Schwergewicht, 48-7-2)
Rahman vermochte es gleich zwei Mal nicht, James Toney zu schlagen, auch gegen Oleg Maskaev, David Tua oder John Ruiz konnte er nicht siegen, geschweige denn gegen Wladimir Klitschko. Sein auch heute noch erstaunlich guter Ruf beruht auf seinem Sieg gegen Lennox Lewis, als dieser auf dem Höhepunkt seiner Karriere war.

Im April 2001 schlug Rahman den amtierenden Weltmeister der Verbände WBC, IBF und IBO in Südafrika der fünften Runde k.o. und war sieben Monate Champion, ehe er seine Titel gleich im Rückkampf gegen Lewis, den dieser per Gericht erstritt, wieder verlor. Im August 2005 wurde "The Rock" erneut für kurze Zeit Weltmeister. Sein Gegner war allerdings Monte Barrett, der in seiner langen Karriere keine beeindruckenden Siege vorzuweisen hat. Den WBC-Titel durfte Rahman erneut sieben Monate halten. Nach einem Unentschieden gegen James Toney, verlor er seinen Gürtel an Oleg Maskaev.

10. Breidis Prescott (Leichtgewicht, 23-2-0)
Bei Breidis Prescott kann man sich eigentlich noch kein abschließendes Urteil erlauben, ob er ein "One Hit Wonder" bleiben wird. Momentan hat es aber den Anschein, als sollte der 27-jährige Kolumbianer vor allem wegen eines entscheidenden Schlages in die Box-Geschichte eingehen. 6. September 2008, M.E.N. Arena Manchester. Der zu diesem Zeitpunkt gerade 21 Jahre junge Amir Khan wird in England als kommender Superstar gefeiert und sieht sich als Nachfolger von Ricky Hatton und Prince Naseem Hamed. Für seinen 19. Profi-Kampf (bis dahin 19 Siegen, 17 davon durch k.o.) hat sich sein Management einen zumindest auf dem Papier harten Brocken ausgesucht: den in 19 Kämpfen ebenfalls ungeschlagenen Breidis Prescott.

Trotz des guten Rekords des Gegners gilt Khan bei den britischen Buchmachern als 16:1-Favorit auf den Sieg, für einen K.o.-Sieg von Prescott wurden 33:1 gezahlt, auf den Erstrunden-K.o. sogar 80:1. Da die Engländer aber nicht nur verrückt auf Wetten, sondern auch extrem patriotisch sind, kann davon ausgegangen werden, dass nicht zu viele Zuschauer reich geworden sind, als sie schockiert mitansehen mussten, wie ihr Held nach nur 54 Sekunden ausgeknockt wurde. Für Khan war die Niederlage eine schmerzhafte, aber wohl auch lehrreiche Erfahrung - er ist mittlerweile WBA-Weltmeister im Halbweltergewicht, während unser "One Hit Wonder" Prescott schon zwei Niederlagen hinnehmen musste und man nicht genau sagen kann, ob ihm von seiner Überraschung in Manchester mehr bleiben wird als der hübsche Kampfname "The Khanqueror".

User fragen nach

Als eine unserer neuen Kategorien in unserer wöchentlichen Boxkolumne "Boxing Day" wollen wir unseren Usern die Gelegenheit geben, Fragen zu stellen. Schicken Sie mir Ihre Fragen rund um das Boxen zu und ich werde mich um Antworten bemühen. Fragen an: michel.massing@sportal.de oder per Kommentarfunktion unter diesem Artikel.

Bis zur nächsten Woche, Ihr Michel Massing!